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Licht im Kontext – Interview mit Lichtplanerin Carla Wilkins

Ob fürs Museum, den Arbeitsplatz oder das Kreuzfahrtschiff – Lichtplanerin Carla Wilkins von Lichtvision Design sucht auf der Light + Building nach neuen Lösungen in puncto Steuerung und Personalisierung.

Motiv Fascinating

Sie gestalten Lichtkonzepte für viele Gebäudetypologien. Macht jeder alles bei Ihnen im Team oder gibt es Schwerpunkte?

Wir haben keine expliziten Teams, sondern nutzen die Synergien von unseren 40 Mitarbeitern aus 15 Nationen. Was wir beim Kreuzfahrtschiff machen, kommt auch dem Shopping Center zugute und umgekehrt. Als wir das Büro 1997 gegründet haben, waren Museums- und Verwaltungsbauten unser Fokus. Dann haben wir unser Spektrum langsam erweitert. 2012 eröffneten wir unser Büro in Hongkong und sind seitdem auch auf dem asiatischen Markt aktiv. Kurze Zeit später kam dann unser Büro in London hinzu, von dem aus wir Projekte unter anderem im Nahen Osten betreuen. Wöchentlich schalten wir uns in einer Webkonferenz zusammen.

Licht ist nichts Materielles – umso schwieriger ist die Planung. Hilft da mehr die Ahnung von Technik, die Erfahrung oder doch die Intuition?

Als Lichtplaner braucht man natürlich die lichttechnische Kompetenz, um die entsprechenden Tools zu handhaben. Die Erfahrung lehrt uns, dass das beste Tool nicht immer das richtige ist. Darin sehe ich die Verantwortung, die wir Lichtplaner haben. Für wen planen wir? Wir nutzen unsere Design-Intelligenz für langfristige Lösungen. Wir suchen nach einer modernen Lösung, kombiniert mit dem Genius Loci. Lichtplanung basiert aber vor allem auf der sehr guten Zusammenarbeit von Bauherrn, Nutzern, Architekten und Ingenieuren.

„Das Thema Steuerung und Personalisierung des Lichtes ist ein ganz großes Thema.“

Carla Wilkins

Sie haben einige herausragende Projekte in ihre Vollendung begleitet. Welche sind aus Ihrer Perspektive besonders prägend für die Arbeit von Lichtvision?

Den Terminal 4 des Changi Airport in Singapur zu planen, war sicher ein Meilenstein-Projekt. Dies hat uns auch darin bestärkt, das Büro in Hongkong zu eröffnen. Weitere Flughäfen sind in Planung – mehr dürfen wir aber nicht verraten. Von London aus haben wir die Phasen 2 und 3 des Stadtentwicklungsprojektes Downtown Doha im Zusammenspiel mit sieben weiteren Architekten komplett bearbeitet. Schließlich sind wir besonders stolz darauf, ein Projekt wie die Erweiterung und Herrichtung des Pergamon-Museums in Berlin, die Oswald Mathias Ungers geplant hat, bereits seit 2008 zusammen mit der Werkgemeinschaft aus Jan Kleihues, Walter Noebel und BAL zu betreuen. Es ist etwas Besonderes, ein Projekt zu begleiten, das auch noch nach so vielen Jahren eine hohe Qualität in der Ausführung behält. Im vergangen Jahr haben wir uns sehr glücklich geschätzt, die Architektur-Lichtplanung für das neue Bauhaus-Museum in Dessau zu gestalten. Zuvor wurde das neue Bauhaus-Museum in Weimar eröffnet, dessen Ausstellungsbereich wir geplant haben. Letztes Jahr gab es außerdem noch ein drittes Jubiläums-Projekt, an dem wir beteiligt waren: die Dauerausstellung im Beethoven-Geburtshaus in Bonn.

Sie arbeiten in Europa, aber auch international, in Russland, im Nahen Osten, in China oder Indien. Wie stark muss man sich mit der jeweiligen Lichtkultur vor Ort beschäftigen?

Im Großen und Ganzen gibt es global eine gemeinsame Lichtkultur, die sich vor allem dadurch unterscheidet, wie unsere Erfahrungen mit dem Tageslicht und der Winterdunkelheit sind. Wenn es um das Kunstlicht geht, hängt es mehr mit der persönlichen Erfahrung zusammen. Bei der Planung muss man sich mit dem Tageslicht sehr früh im Projekt beschäftigen, es bedarf einer grundlegenden Diskussion mit den Architekten. Da geht es sehr viel um Geometrie und Kubatur. Das Kunstlicht zu planen, ist vielmehr Teil der Konstruktionsplanung. Grundsätzlich sollte man beide Herangehensweisen miteinander kombinieren. Wir wünschen uns daher immer, sehr früh im Projekt beteiligt zu sein. Ein gutes Beispiel ist das Museion in Bozen, für das wir Tageslicht, Kunstlicht und visuelle Medien geplant haben. Da gerade im Museumsbau das Licht einen hohen Stellenwert hat – falsches Licht kann Kulturgut auch schädigen –, werden hier Lichtplaner traditionell sehr früh involviert. Mittlerweile wird der Faktor Licht aber auch in anderen Bereichen – im Hotel, der Gastronomie, im Retail oder für Arbeitsräume – deutlich höher bewertet.

Technische Leuchten im Museum

Vieles dreht sich gerade um die Lichtplanung von Arbeitsplätzen…

Das Arbeitsumfeld und die Art zu arbeiten, hat sich massiv geändert. Der Bildschirmarbeitsplatz, der in den 1990er-Jahren besonders war, ist heute trivial. Human Centric Lighting in seinen unterschiedlichen Interpretationen, also das individuelle Anpassen der Farblichttemperatur und der Beleuchtungsstärken am Arbeitsplatz, ist ja schon mit der Leuchstofflampe aufgekommen. Nun wird die Technik noch verfeinert. Die Dimmung wird mehr und mehr zum Standard, Leuchten werden zunehmend mit Sensoren verknüpft. Die Herausforderung besteht in der Interkonnektivität der verschiedenen Sensoren und Systeme. Da brauchen wir einen neuen Standard, neben DALI auch für Bluetooth-Steuerung.

Frau steht bei einer Schreibtischlampe

Hat die klassische Tischarbeitsleuchte ausgedient?

Das grundsätzliche Thema dabei ist der Platzbedarf, der durch ein zusätzliches Möbel auf dem Tisch eingeschränkt wird. Die Diskussion geht also um die Ökonomie des Arbeitsplatzes. Heute wird anstelle der Tischleuchte die Stehleuchte am Arbeitsplatz eingesetzt, die eine personifizierbare Arbeitsplatz-Situation schafft.

Der Mainstream liebt farbige LED. Wie gehen Sie mit dem Thema farbiges Licht um?

Wichtiger Bestandteil des Marktes ist die RGBW-LED, die nicht nur das Farbspektrum, sondern auch einen klaren Weißton erzeugen kann. Das ist ein großer Vorteil der LED, sodass man kurzfristig mit Farben arbeiten und unterschiedliche Szenarien erzeugen kann. Das kann man zur Luminale zum Beispiel am Hochhaus der DZ Bank in der Nähe der Messe sehen, auch ein Projekt von uns. In Asien ist der Einsatz von Farbe deutlich größer.

Gibt es Themen im Lichtdesign, die Sie aktuell interessieren und zu denen Sie sich auf der Light + Building umschauen werden?

Das Thema Steuerung und Personalisierung des Lichtes ist ein ganz großes Thema. Licht und Gesundheit bleiben weiterhin wichtig. Worauf wir stärker achten werden, ist die Einbindung des Lichtes in einen Gesamtkontext. Wir werden uns außerdem stärker mit Materialien auseinandersetzen müssen, um unnötigen LED-Schrott zu vermeiden und neuen EU-Verordnungen Rechnung zu tragen.

Human Centric Lighting

Wie schaut es denn aus mit der Nachhaltigkeit und LED? Zwar ist sie effizient, allerdings sind LED-Platinen häufig unaustauschbar mit dem Leuchtenkorpus verbunden. Ist die LED kaputt beziehungsweise am Lebensende, muss die ganze Leuchte ausgetauscht werden …

Es gibt mit Zhaga einen Standard für LED-Platinen, dem sich auch schon einige Hersteller angeschlossen haben. Die EU schreibt jetzt vor, dass Leuchten nach Gebrauch wieder in einzelne Bestandteile zerlegbar sein sollen, um sie zu recyceln. Die Anfangseuphorie über das neue Leuchtmittel LED hat zu einer Etablierung des Leuchtmittels geführt. Heute ist die Diskussion über das Interface zum Benutzer und die Steuerung die nächste wichtige Schwelle. Dort müssen wir mehr den menschlichen Maßstab anlegen, das darf keine akademische Leistung sein.

Zur Person

Mit ihren Geschäftspartnern und dem Team vom internationalen Büro Lichtvision Design hat Carla Wilkins unzählige Preise gewonnen für die Illumination bedeutender Gebäude – als Beispiele seien das neue Bauhaus-Museum in Dessau, das Rote Rathaus in Berlin und der Opernturm in Frankfurt genannt. Carla Wilkins engagiert sich darüber hinaus im International.

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