Eine modulare Leuchtenfamilie, die drehwüchsiges Furnier als formgebendes Prinzip nutzt. Eigenwillicht erforscht das gestalterische Potenzial drehwüchsiger Furniere, eines Materials, das in der industriellen Holzproduktion aufgrund seines unvorhersehbaren Verformungsverhaltens meist aussortiert wird.
Anstatt diesen sogenannten Materialfehler zu vermeiden, nutzt das Projekt die natürlichen Spannungen des Drehwuchses gezielt als formgebende Kraft und verzichtet dabei auf Formen oder energieintensive Umformprozesse. Die resultierende Leuchte verformt sich individuell nicht trotz, sondern aufgrund ihrer Unregelmäßigkeit. Indem Eigenwillicht die Natur als Formgeberin begreift, hinterfragt das Projekt industrielle Sortierlogiken und zeigt neue Wege auf, aussortierte Materialien in zirkuläre Gestaltungssysteme zu reintegrieren.
Dimmfunktion
Die Leuchte verfügt über einen integrierten, einfachen mechanischen Dimmmechanismus. Zwei Holzplatten fungieren als gegenüberliegende Lampenschirme, zwischen denen das Licht geworfen wird. Die Helligkeit lässt sich stufenlos regulieren, indem Abstand und Winkel der beiden Elemente zueinander verändert werden
Modulare Leuchtenfamilie
Eigenwillicht ist als modulares Leuchtensystem konzipiert. Durch den Austausch der Endstücke lassen sich unterschiedliche Leuchtentypologien realisieren, darunter horizontale und vertikale Pendelleuchten sowie eine Wandleuchte. Das System ist erweiterbar angelegt und ermöglicht zukünftige Anpassungen und Konfigurationen.
Manufacturing Process & Material Behavior
Drehwüchsige Furniere werden zu Plattenmaterial verpresst und nach dem Trocknen mittels CNC-Fräsung zu den Lampenschirmen ausgearbeitet. Bereits wenige Minuten nach dem Entnehmen aus der Presse beginnen sich die Platten deutlich zu krümmen. Das Material reagiert weiterhin sensibel auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit, wodurch jede Leuchte zu einem dynamischen Ausdruck ihrer materialimmanenten Eigenschaften wird.
Lisa Schollbach (1999, Hannover, Deutschland) ist Produkt- und Materialdesignerin mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre gestalterische Praxis basiert auf einem dialogischen Arbeiten mit dem Material, bei dem Form nicht vorgegeben, sondern aus dem aufmerksamen Beobachten und Reagieren auf Materialverhalten entwickelt wird. Die entstehenden Objekte zeichnen sich durch eine klare, reduzierte Formensprache aus und bewahren zugleich eine spürbare Spannung und Individualität. Derzeit studiert sie Produkt- und Materialdesign im Master an der HfG Offenbach. Zuvor war sie an der Bauhaus-Universität Weimar eingeschrieben und absolvierte ihren Bachelor im Produktdesign an der HAWK in Hildesheim.